Vorab ein paar Infos...:

Das rätische Güterverzeichnis (Reichsguturbar) von 842 nennt für den hier vorgestellten Raum Walgau die nachstehend angeführten Kirchen:

  • ecclesia sancti Petri ad Campos id est Feldchiricha (Feldkirch)
  • ecclesia in Nanzingas (Nenzing)
  • et de Bassininga (Beschling)
  • et Scliene (Schlins)
  • et Reune (Röns)
  • ecclesia in villa Sanuuio (Göfis)
  • et in Tunia (Düns)
  • et in Turingos (Thüringen)
  • ecclesia in villa Pludassis (Bludesch)
  • et de Cise villa (Bludesch-Zitz)
  • ecclesia in Lodasco (Ludesch)
  • ecclesia in villa Pludono (Bludenz)
  • ecclesia de Puire (Bürs)
  • Nezudere (Nüziders) nennt einen Königshof (curtis dominica),
  • Sataginis (Satteins) und
  • Sagauuio (Göfis) bezeichnen ein königliches Lehen (beneficium).

Alle drei sind offensichtlich mit Eigenkirchen ausgestattet. So ist der Walgau des frühen Mittelalters nicht nur bestens mit Kirchen "bestückt", sondern als regionaler Sakralraum auch ausgezeichnet dokumentiert.

Heute "füllen" beinahe zahllose Sakralbauten den Walgau zwischen Feldkirch und Bludenz. Mit dem Untertitel "Alte Kirchen und Kapellen" wird irgendwie eine Grenze gezogen, die zwischen "historisch ziemlich oder sehr alt" pendelt, ohne dass damit bereits eine exakte Aussage über ihr "Alter" gemacht werden kann bzw gemacht wird. Ein romanischer oder gotischer Sakralbau wird unbestritten zu den alten Objekten zählen müssen; bei den Barockbauten wird es doch schon etwas schwierig: da haben wir vom Frühbarock bis hin zum Spätbarock eine nicht unbedeutende Auswahl an "Altmöglichkeiten". Bleiben wir ganz konsequent beim Frühbarock als "noch alt", dann kann beispielsweise die Jakobskirche in Bludesch (genauer: Pfarrkirche zum Hl. Jakobus d.Ä.) des Bregenzerwälder Barockbaumeisterschulegründers Michael Beer noch gut mithalten. Danach wird es bereits schwieriger: wählen wir den Spätbarock als "nicht-mehr-alt" im Sinne dieser Darstellungen, dann fällt die xxx Kirche / Kapelle aus dieser Zielgruppe heraus. So kristallisiert sich das 17. Jahrhundert als "alte Kirchenzeit", während nach dieser Zäsur sich die auch nicht mehr gerade jugendlichen Sakralbauwerke einer xxx Kapelle / Kirche aus der Alt-Theorie ausgestoßen fühlen müssen. So wird das 18. Jahrhundert mit Klassizismus und Josefinismus vielleicht eine Art kirchlicher Übergangsarchitektur, die "Altes" und "Neues" im Sinne dieser Beschreibungen trennt.

Eine Frage ist jene nach Art und Zweck der Sakralbauten: da gibt es Domkirchen (Bischofskirchen), Pfarrkirchen, Filialkirchen, Kuratiekirchen - und es gab Eigenkirchen, die nicht vom Bistum abhängig oder für die das Bistum nicht zuständig war. Es gibt Bistümer, Dekanate, Pfarreien (Pfarren), Kaplaneien und Frühmeßstiftungen. Jede(r) will eine große oder zumindest kleine Kirche; für jene, die aus irgendwelchen Gründen nicht so weit kommen, muß notgedrungen eine Kapelle genügen, wenn sie nicht gerade der Dankbarkeit in Verbindung mit irgend einem Ereignis ihr Entstehen verdankt. Dann kann mit mehr oder weniger "Bequemlichkeit" sogar eine Messe gelesen oder eine kirchliche Feier veranstaltet werden. Das kann der Bildstock - oder das "Bildstöckle" natürlich nicht - es hat keinen Altarraum, den man betreten könnte. Damit ist also klargestellt, dass Bildstock, Marterl oder eben das Bildtöckle nicht in unseren Vorstellungsrahmen passen. Bleiben somit die "alten" Kirchen und Kapellen - groß und klein - die wir hier vorstellen wollen; dabei mag es gleichgültig sein, ob sie jetzt die Pfarrkirche zum Heiligen xyz oder eine Pestkapelle mit dem/den Heiligen ab/cd vorstellen. So versuchen wir also, dieses Beinahe-Durcheinander, nach Orten gegliedert, vorzustellen. Dabei wird es uns klar, dass zB Feldkirch wesentlich mehr Sakralbauten nennt als zB die kleine Gemeinde Lorüns. Übrigens: die Zurechnung erfolgt hier nach der Gemeindegrenze der politischen Gemeinde und nicht nach der Pfarrgrenze als kirchliche Abgrenzung.

Eine weitere Frage ist jene nach dem äußeren Erscheinungsbild des Sakralbaues: ist - von der Ansicht her - das heute präsentierte Objekt noch mit jenem Bild der frühen bzw älteren Kirche oder Kapelle ident? Am Beispiel Nenzing-Mauritius wird klar, dass die Kirche, so wie heute dasteht, von den Mauerresten des 6. Jahrhunderts nichts zeigen kann. Das Bauwerk zeigt die 1633/34 erweiterte Barockkirche und die Erweiterung (Verlängerung) von 1852/53. Sie ist dennoch eine der ältesten Kirchenbauten, auch wenn vom "Früh-alter" überhaupt nichts zu sehen ist. Das Gegenstück dazu sind Frastanz-Sulpitius mit einem kompletten Neubau 1884-1886 auf altem Bestand und Satteins-St. Georg mit dem Neubau 1822-1824 auf alten Fundamenten. So lässt sich die "Grenzziehung alt-neu" einigermaßen begründen; sie wird daher hier in dieser Form durchgeführt.

Die Bezeichnung der Sakralobjekte (Kirchen und Kapellen) erfolgt gemäß der Nomenklatur des Bundesdenkmalamtes zB Pfarrkirche, Filialkirche, Flur-/Wegkapelle (Verordnung GZ. 47373/19/2007 vom 30. März 2007). Die Auflistung selbst bestimmt sich nach den Gemeinden in alphabetischer Reihenfolge. Alle Sakralobjekte, welche auf einer eigenen Seite vorgestellt werden, sind farblich unterlegt. Die in den Textseiten in Einzelnachweisen zitierte Literatur wird unten aufgelistet, damit sie nicht auf jeder neuen Seite in vollem Umfang wiederholt werden muss.

Liste der Kirchen und Kapellen im Walgau:

Bludenz

Bludesch

Brand

Bürs

  • Pfarrkirche Hl. Martin (Obergasse)
  • Pfarrkirche Maria, Königin des Friedens (Schulstraße)
  • Flur-/Wegkapelle Hl. Maria (Stutzkapelle)
  • Flur-/Wegkapelle Hl. Wolfgang (Spial)

Bürserberg

  • Pfarrkirche Hl. Josef
  • Flur-/Wegkapelle Unsere Liebe Frau (Tschapina)
  • Flur-/Wegkapelle Unsere Liebe Frau (Zwischenbäch)

Düns

Dünserberg

  • Kapelle Hl. Benedikt (Bischa)
  • Kapelle Hl. Wolfgang (Bassig)
  • Montanastkapelle

Feldkirch

Frastanz

Göfis

Lorüns

Ludesch

Nenzing

Nüziders

Röns

Satteins

Schlins

Schnifis

  • Pfarrkirche Hl. Johannes der Täufer
  • Lourdeskapelle (am Weg nach Röns)
  • Marienkapelle (beim Bädle)
  • Muttergotteskapelle (Gavaschina)
  • Kapelle Altes Bild (Gampelin)

Stallehr

Thüringen

Thüringerberg


Literatur zum Thema (Auszug):

DEHIO-HANDBUCH, Die Kunstdenkmäler Österreichs: VORARLBERG. Bearbeitet von Gert Ammann, Martin Bitschnau, Paul Rachbauer, Helmut Swozilek. Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1983.

Huber, Franz Josef: Kleines Vorarlberger Burgenbuch. Ländle-Bibliothek Band III. Verlag Buch Spezial, Dornbirn 1985.

Huber, Kurt: Kirchen in Vorarlberg - eine Reise in Bildern durch das Land. Aquarelle von Kurt Huber mit begleitenden Worten zahlreicher Autoren. Rankweil 2008.

Sydow, Wilhelm: Kirchenarchäologie in Tirol und Vorarlberg. Die Kirchengrabungen als Quellen für Kirchen- und Landesgeschichte vom 5. bis in das 12. Jahrhundert. Bundesdenkmalamt Abteilung für Bodendenkmale - Verlag Ferdinand Berger, Horn 2001.

Ulmer, Andreas: Die Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins. Historisch und topographisch beschrieben. Dornbirn 1925 (Unveränderter Nachdruck 1978). Ulmer, Andreas: Topographisch-historische Beschreibung des Generalvikariates Vorarlberg. VI. Band - Dekanat Sonnenberg I. Teil. Vorarlberger Verlagsanstalt Dornbirn, Dornbirn 1937.