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Diskussion:Dossier: Kulturlandschaftspflege im Walgau

Version vom 31. August 2010, 11:36 Uhr von Mwalser (Diskussion | Beiträge) (Erfahrungsaustausch 28. August 2010)
Material vom Workshop der Naturschützer

Erfahrungsaustausch 28. August 2010

Welchen Stellenwert hat der Naturschutz im Walgau?

allgemein: Naturschutz im Walgau ist unpopulär, mühsam (allgemein und in einzelnen Projekten, zu wenig bekannt. Es fehlt schon am Ort vieles - umso schwieriger ist es, gleich auf regionaler Ebene zu diskutieren, da bleibt alles sehr allgemein. In der Bevölkerung im Walgau ist Naturschutz nur ein Randthema, nur Einzelne in den Gemeinden interessieren sich dafür. Es fehlt an innerer Überzeugung, Verantwortungsgefühl (das ist am ehesten noch bei ein paar alten Leuten vorhanden). Tiere und Pflanzen haben keine Lobby, sind 'nur' für die Allgemeinheit von Interesse. Der Naturschutz ist ohnmächtig gegenüber denen, die von heute auf morgen über Flächen verfügen können. Der Stellenwert des Naturschutzes war vor 20 Jahren sogar noch höher, heute ist sehr viel institutionalisiert. Der Naturschutz im Walgau hat keine Chance gegen grosse Projekte.

Beteiligung der Politik: Warum ist bei einem solchen Workshop kein politischer Vertreter einer Gemeinde anwesend (insbesondere gibt es zu wenig Vertreter von der 'Sonnenseite') - die entsprechenden Ressortvertreter sollten auch dabei sein. Für politische Vertreter ist das Thema vielleicht zu allgemein? Oder sie wissen vielleicht nicht Bescheid über den Termin. Manche Bürgermeister und Gemeindevertreter im Walgau stehen auf dem Standpunkt: "Wir wissen sowieso schon, was wir tun müssen in der Gemeinde" - es gibt aber auch aufgeschlossene Bürgermeister im Walgau. Gibt es überhaupt in jeder Gemeinde einen Verantwortlichen für den Naturschutz?

Welchen Ruf hat der Naturschutz? (aber die Dinge, die wir schützen, sind ja keine 'Störung', sondern eine Aufwertung des Lebensraums). Teilweise geniesst der Naturschutz auch Wertschätzung (z.B. in Frastanz), teilweise gibt es aber auch Reibungspunkte wegen Lächerlichkeiten. Es gibt eine Wertehierarchie, bei der der Naturschutz weit hinten kommt. Naturschutz gilt als Kostenfaktor. Vielfach gibt es die Meinung: "Schutz? - dann darf man ja gar nichts mehr tun."

Naturschutz im Regionalentwicklungsprozess: ... hat einen Stellenwert, ist aber in der Regel verflochten mit anderen Themen. Naturschutz als 'Verhinderer', steht im Weg - evtl. auch im Regionalentwicklungsprozess

Welche Chancen gibt es? Zusammenarbeit mit anderen Akteuren, nicht nur unter Naturschützern nötig. Wenn aus der Bevölkerung Geld investiert wird, dann tut sich das Land auch leichter bei manchen Entscheidungen. Wo setzt man an, wo ist Bewusstseinsbildung möglich? Es braucht mehr Öffentlichkeitsarbeit und Vermittlungsprojekte. Aber an der Aufklärung und Information in den Medien mangelt es nicht, noch nie wurde soviel über das Thema 'Naturschutz' berichtet - die Informationsflut verringert eher die Motivation des Einzelnen zum Handeln - nur noch die konkrete Betroffenheit / der konkrete Bezug hilft. Wie kann man Naturschutz interessant machen / Motivation erzeugen? z.B. indem man zeigt, dass Schutz und Nutzung sich nicht unbedingt ausschliessen. Konkrete Fallbeispiele im Walgau hernehmen und den (veralteten?) Begriff Naturschutz wieder über Betroffenheit mit Leben füllen - dazu ist der Dialog mit anderen Kräften / Interessen nötig und es braucht Experten/Menschen, die von den Zusammenhängen eine Ahnung haben.

Wie lässt sich der Naturschutz im Walgau besser organisieren?

Positives Image schaffen (Bsp. Heugabel, Wiesenmeisterschaft - Landwirte fühlen sich wichtig als Landschaftserhalter), Erfolge auch wissenschaftlich aufarbeiten.

Bewusstseinsbildung an den Anfang stellen - Inhalte positiv vermitteln und damit den Grundstock für die praktische Arbeit legen. Das muss sehr konkret sein, allgemeine Bevölkerungserziehung funktioniert heute nicht mehr - eine bestimmte Gruppe angehen und anhand eines bearbeitbaren Problems Bewusstseinsarbeit betreiben.

Regionale Koordination fehlt - sowohl zwischen verschiedenen Interessen als auch des Naturschutzes unter sich. Wichtig: ich muss wissen, was ein wichtiges Thema ist, wo Entscheidungen getroffen werden müssen und wo ich die notwendigen Informationen finde.

Entscheiden kann die Gemeindepolitik, hier werden die Themen diskutiert. Engagement muss in diese Richtung zielen, die Entscheidungsträger sollten wir beeinflussen / hingehen... Ein Thema ist erst dann in der Gemeinde angekommen, wenn es dort eine zuständige Ansprechperson gibt.

Es ist zwar viel Wissen nötig, es darf aber nicht nur über den Kopf laufen. Es braucht Stimmung, Gefühl, Erlebnisse... - und es braucht Positives und Negatives. Der Antrieb um etwas zu tun kommt aus der Emotion.

Oft ist es eine Kapazitätsfrage, niemand hat / nimmt sich Zeit für bestimmte Aufgaben, wer kann Strategien entwickeln - wie kann man da Kapazitäten schaffen? -> Einen Naturschutz-Motivator für den Walgau anstellen (es muss ein Kommunikationstalent und ein Begeisterter sein). Dazu braucht es eine klare Zielformulierung und Stellenbeschreibung - und das Ganze muss auch auf der Bürgermeisterebene diskutiert werden. <-> Aber braucht es wirklich mehr Hauptamtliche, oder reicht es, die Ehrenamtlichen besser zu vernetzen, mehr Austausch zu schaffen. Zeitlich / sachlich begrenzte Initiativen haben auch Vorteile gegenüber Vereinen. Und sie können als Kristallisationspunkt genutzt werden.


Idee: Gemeinsames Projekt zu Wiesen starten: Welche Arten von Wiesen haben welchen Wert, was gibt es, wie sollte man es bewirtschaften, wie finanzieren sich die bestehenden Projekte... - Karte der wertvollen Wiesen im Walgau. Das wäre ein konkretes Anliegen, an dem die Leute interessiert sind. Ein gemeinsames Walgauprojekt mit den bekannten Experten, eine grosse Veranstaltung dazu.

Ein weiteres Walgau- Thema: Erlebbare Naturräume für Kinder / Jugendliche fehlen im Walgau ebenfalls - der Zugang zur Natur wird (pädagogisch) organisiert, den freien Zugang in halbwilde Räume gibt es kaum noch (die Räume sind vorhanden, aber die Kinder nutzen sie aus verschiedenen Gründen nicht). 'Wilde' Räume fehlen nur für kleine Kinder im Nahraum direkt um die Häuser herum.

Nächste Schritte: Bei Bürgermeistern im Gespräch vorfühlen und dann einen kleinen Kreis einberufen. Ziel: ein gemeinsames Walgau-Projekt aufzugleisen, mit dem man die Vernetzung im Walgau voranbringt und die politische Ebene sensibilisiert.

Wie kann sich der Naturschutz in die Zukunftsszenarien zur Entwicklung des Walgaus einbringen?

Beim Walgauforum am 18. September.

Wer trifft strategische Überlegungen: die Politik grundsätzlich, aber für den Walgau müssen sie aus der Region kommen - wer formuliert diese Überlegungen für den Walgau?

Wer hat in der Region die Kapazität, diese Diskussion zusammen zu führen und zu bündeln?

z.B. ein Gremium aus wenigen Bürgermeistern und Naturschützern mit der Unterstützung von Experten.

z.B. die zuständigen Experten beim Land - wie kommen wir dazu, dass das Land einen Experten beauftragt, ein Konzept zu entwickeln.

Nächste Schritte: Mit der Raumplanung und im Kernteam darüber diskutieren.

Themen der Regionalentwicklung, die von der Walgaukonferenz und dem Walgauforum als wichtig benannt wurden

Natur und Umwelt: Grünzonen sparsam verwalten, Natur betrifft alle, Freiflächen erhalten, Erhaltung des Lebensraums, Gleichgewicht zwischen Natur-Wirtschaft, gemeinsames Interesse an Landschaft und Umwelt sind im Walgau zu erhalten, Kulturgut Streuobstwiese, zusammenhängende Naturräume sichern, zugänglicher und nutzbarer Naherholungsraum

Kulturlandschaftspflege: regionale Konzepte; Fördermittel; Raumplanungskonzept für Walgau. LEADER, Förderprogramme; Region ist landschaftlich bedingt, Erhaltung der Kulturlandschaft, werden manchmal vergessen (Tal- und Berggemeinden)

Umweltbildung: Bau einer Einrichtung zur Nutzung durch die Walgaugemeinden (Kinder, Schulen, Naturlandschaft) ähnlich wie Waldschule, evtl. mit Übernachtungsmöglichkeit etc), Umweltthemen erarbeiten, ökologische Woche, Verbindung zum sanften Tourismus, Förderung eines ÖKO-Hauses (Lebensmittel, Energiegewinnung durch Biomasse, Solar, Photovoltaik)

Klimawandel

Auland - Verwendung vorhandener Ressourcen


Meinungen, die im Zuge von Veranstaltungen und Workshops oder in Einzelgesprächen geäußert wurden:

"Im Bezug auf die landwirtschaftliche Bewirtschaftung und den Naturschutz müssten die Förderungen vom Land besser abgestimmt werden."

"Das Problem ist, das alles in den Auwald gebaut wird, und der ist inzwischen schon recht selten geworden."

"Liebherr rodet 2 ha Auwald ohne Genehmigung. Und wenn dann eine Gemeinde kommt und 1.200 qm Ablagerungsfläche unter der Hochspannungstrasse will, geht das nicht wegen dem wertvollen Auwald - und im nächsten Jahr wird der Wald zur Trassenfreihaltung abgehauen."

"Bei Naturschutzgebieten, da muss man im Walgau insgesamt nachdenken. Irgendwo weiß man, da gibt es das und jenes, aber da muss man die Leute darauf aufmerksam machen, da müssen die Gemeinden klar und bewusst dahinter stehen."

„Die Natur wird bei uns derzeit eher etwas stiefmütterlich behandelt, was teilweise auch mit Änderungen in der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung zusammenhängt (entweder intensiv oder gar nicht).“

"Naturvielfalt und Landwirtschaft sind Zukunftszwillinge. Ich will einen Naturschutz mit Handschlagqualität, ich will Naturnutzer und Naturschützer an einen Tisch." (Landesrat Erich Schwärzler im Gespräch mit dem Naturschutzrat, VN vom 29. Apr. 2009)


Diskussion

Die Regionalentwicklung im Walgau veranstaltete einen Workshop mit Naturschützern im Oktober 2009 im Wildpark Feldkirch. Wichtige Punkte aus der Diskussion waren:

  • Die mangelnde Durchsetzungskraft des Naturschutzes (geringe Wertigkeit, keine Lobby, Information erst wenn es zu spät ist, finanzieller Ausgleich reicht nicht, kleinräumiges Denken, Naturschutzbund hat wenig Ressourcen und ist auf Unteres Rheintal konzentriert.
  • Konkrete Anliegen im Walgau (Biotopinventar fehlt immer noch, Auwälder und Magerwiesen verschwinden, Flächenverbrauch am Talgrund, Großbetriebe im Auwald, landwirtschaftliche Nutzung am Hang wird aufgegeben, Kleinkraftwerke, Grundwasserabsenkungen, Speicherspülungen, Pflege geht bei den Gemeinden oft im Arbeitsalltag unter, viele neue Wege für Mountainbiker, Schneeschuhwanderungen und Landeflächen für Drachenflieger ohne Rücksicht auf Naturschutz).
  • Die Wahrnehmung durch die Medien (zu wenig Info in Alltagsmedien, Naturschutz ist extrem unterrepräsentiert, Medienpflege, regionale Naturschutzauftritte in Medien fördern, Mitteilungsblätter als eigenes Medium des Naturschutzes, Projekte auf Homepage vernetzen.
  • Die Notwendigkeit, Strukturen zu schaffen (Naturschutz muss in der Gemeinde personell verankert sein, Bewusstseinswandel durch gute Projekte, Fischer, Landwirte, Grundbesitzer usw. einbinden, um Verständnis zu erzeugen, Bewusstseinsbildung, Kombination von Naturschutz und Naherholung


Weitere Diskussionsthemen: Die letzten Auwald- Bereiche sind stark unter Druck (Ausweitung Betriebe, Hochwasserschutz usw., 20 ha Auwald in 20 Jahren für Betriebsgebiete verwendet). Eine Idee aus dem Bereich 'Hochwasserschutz' ist beispielsweise, Teile des Auwalds abholzen und verkaufen, den darunter liegenden Kies ebenfalls auszubaggern und zu verkaufen, und das so entstehende Becken von ca. 6 ha wieder mit Auwald aufzuforsten und als Wasserrückhaltefläche zu nutzen (die dann tatsächlich immer wieder überflutet wird). Aus Sicht des Naturschutzes ist das Gebiet ein trockengefallener Auwald mit wechselndem Grundwasserspiegel, der eine eigene Pflanzengemeinschaft hervorbringt - Fichte, Föhre und Erle - außerdem könnte es bei der Maßnahme zu größeren Problemen mit Neophyten kommen (gebietsfremde Arten, die einwandern und die Pflanzengemeinschaft zerstören).

Das Biotopinventar 1988 - 2008 spiegelt das unterschiedliche Naturschutzbewusstsein in der jeweiligen Gemeinde. Es gibt kein einziges deklariertes Gemeindeschutzgebiet im Walgau.

Naturschutz und Landwirtschaft: Die alte Landwirte-Generation macht noch viel freiwillige Arbeit, bei den jungen wollen viele nur noch möglichst effektiv produzieren

Im Natura 2000 Gebiet „Schmiedtobel Dalaas-Braz“ wollen Landwirte der Alpgenossenschaft Ludesch die Wasserkraft nutzen - es besteht die Gefahr, dass im Schutzgebiet wertvolle Biotope zerstört werden.

Grünkorridor östlich von Bludesch ist in Gefahr, zugebaut zu werden.

Auf der Gemarkung der Gemeinde Göfis ist ein großer Steinbruch in der Nähe des Naturschutzgebietes Gasserplatz geplant, von dem negative Auswirkungen auf das Gebiet erwartet werden.


Ideen für weitere Maßnahmen zum Naturschutz

Der Projektvorschlag "zusammenhängende Naturgebiete sichern" erhielt im März 2009 beim Walgauforum 27 Punkte.

Der Projektvorschlag "Umweltbildungseinrichtungen" erhielt im März 2009 beim Walgauforum 10 Punkte.

Der Projektvorschlag "Berghänge als Kulturlandschaft erhalten" erhielt im März 2009 beim Walgauforum 7 Punkte.

Es gibt in Vorarlberg Ansätze, den Naturschutz mit Beschäftigungsinitiativen zu koppeln (z.B. im Bereich der Pflege von Streuobstwiesen und der Obsternte). Auch Aquamühle Frastanz ist an solchen Modellen beteiligt; dies könnte in ein regionales Modell überführt werden.

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