Die Kirche zum hl. Vinerius wird von DEHIO und BDA als "vermutlich einstige Hofkirche" und in diesem Zusammenhang als älteste Kirche im Walgau bezeichnet. Die 842 erwähnte curtis dominica - der Königshof - steht sicher mit der königlichen Eigenkirche zum Hl. Vinerius in unmittelbarem Bezug. Die Grabungen 1966/67 mit der Zusammenfassung von Sydow [1] und dem ausführlichen Grabungsbericht von Melzer [2] bestätigen eine zwei Schuh breite Umfassungsmauer aus dem 9. Jahrhundert und den Gründungsbau einer Saalkirche von 11,40 m Länge und 4,20 m Breite im Osten bzw. 4,75 m im Westen; dieser Kirchenbau ist im Gegensatz zur bisherigen Meinung gemäß der Grabung 1968/69 doch früher, nämlich im 9. Jahrhundert anzusetzen. Andere ergrabene Mauern bzw. Mauerreste sind nicht-kirchlichen Benützungen zuzuschreiben und in allen Fällen jüngeren bzw. jüngsten Datums.

Allerdings ist die ebenfalls (früher) geäußerte Meinung, die Vineriuskirche stünde auf dem Mauerwerk eines römischen Wachtturms, eine reine Fiktion. Über dem Gründungsbau steht ein nach Westen um 2,30 m verlängerter jüngerer Bau mit einem Südannex (Vorbau) von 8,70 m x 1,60 m, der in die Frühromanik (Karolingerzeit) datiert wird: sie stellt den Übergang von der einfachen Saalkirche zur Bestattungskirche dar, was wiederum eine Bestätigung für die Funktion von St. Vinerius als romanische Pfarrkirche vor der Zeit der heutigen Pfarrkirche zu den hll. Viktor und Markus bedeuten mag. Der quadratische Turm an der Nordseite wurde im 12. Jahrhundert angebaut und um 1290/1310 auf 17 m mit Schrägdach erhöht. Das Kircheninnere besteht aus einem tonnengewölbten Raum - nach einer Jahreszahl 1667 datiert - mit Rund- und Flachbogenfenster. Hinter der freistehenden Mensa ist ein Altarschrein mit Kruzifixus und Figuren (Vinerius & Cäcilia) um 1530; die Figur "St. Martin zu Pferd" stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Die Vineriuskirche ist nicht frei zugänglich. Auskunft beim Pfarramt.

  1. Sydow, Wilhelm: Kirchenarchäologie in Tirol und Vorarlberg, Horn 2001, Seite 185
  2. Melzer, Gustav: Archäologische Untersuchungen in der Filialkirche St. Vinerius zu Nüziders in: Gemeindebuch Nüziders, Nüziders 1994, Seite 267 ff.