Diskussion:Dossier: Landwirtschaft im Walgau: Unterschied zwischen den Versionen

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In den vergangenen Jahren wurden im Walgau einige Ansätze diskutiert und ausgelotet (siehe Anhang). Damit wurde versucht, ein Produzenten- freundliches Umfeld voranzutreiben (Absatzmärkte schaffen, Logistikstrukturen überdenken…). Doch damit stoßen wir an Grenzen und können allenfalls Kleinprojekte umsetzen, denn es fehlen uns die Produkte.
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Es hat sich gezeigt, dass von verschiedener Seite eine Nachfrage nach regionalen Produkten besteht (Großküchen, Hotellerie, Privatkunden bzw. Regional-Laden).  Aber solange landwirtschaftliche Produkte außerhalb der Leitschienen ‚Milch / Milchprodukte‘ und ‚Rindfleisch‘ nur in marginalen Mengen produziert werden und sich dank der hohen Nachfrage problemlos zu einem guten Preis vermarkten lassen, sind alle Bemühungen um den Aufbau von Strukturen stark gebremst. Es sind nur Kleinprojekte möglich, und das ist letztlich schade um die Zeit. Da beißt sich sozusagen die Katze in den Schwanz.
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* Der Betrieb wird oft im Nebenerwerb geführt. Das bedeutet oft mehr Arbeitsbelastung, geringerer wirtschaftlicher Druck bzgl. des Betriebsergebnisses und evtl. ein Mangel an Knowhow und fachlich vertiefter Auseinandersetzung, und wenig Kraft, um sich mit Neuerungen auseinanderzusetzen.
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* Die Mentalität der Landwirte ist auf ‚Viehzucht und Melken‘ konzentriert, denn das haben sie im Elternhaus und in der Schule gelernt. Da gibt es wenig Platz für Neues – so wurde das Projekt ‚Garten Vorderland‘ sogar von den offiziellen Bauernvertretern bekämpft („Das ist für ein paar Kleinbauern, die uns nur den Boden wegnehmen“).
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* Vertrauen in den Absatzmarkt: Selbst wenn der Milchpreis freigegeben wird, besteht die Erwartung, dass sich der Milchpreis in Vorarlberg irgendwo zwischen 40 und 45 Ct. einpendelt. Die Kleinsennereien haben genug Absatzmärkte und könnten von daher ihre Produktion jetzt schon ausweiten. Allenfalls  die Kleinst-Landwirte werden etwas anderes machen müssen oder sie müssen aufhören.
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* Unkenntnis über Produktionsweisen (incl. Arbeitsaufwand, benötigte Geräte,…), Wertschöpfung aus bestimmten Produkten – Alternativen im Vielbereich wären deutlich einfacher, aber selbst die funktionieren nur schlecht.
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* Es gibt kaum Hebel beim Land, um Veränderungen in der Produktion herbeizuführen. Eine direkte Produkt- bezogene Stützung ist nicht möglich und eine indirekte Förderungsschiene (Beratung, Zusammenarbeit, Maschinen…) braucht zuerst interessierte Landwirte, die danach fragen. Allerdings wurde es auch versäumt, ausreichend offensiv für andere Produkte zu werben und in der Landwirtschaft die Erwartung zu kommunizieren, dass die Erzeugung ‚neuer‘ landwirtschaftlicher Produkte besonders wichtig und vom Land gewünscht wäre. Das ist eine Grundvoraussetzung für einen ‚Kulturwandel‘.
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* Aufgeschlossene Landwirte (z.B. Betreiber von Hofläden…) direkt aufsuchen und ansprechen („Küchentischgespräche‘ in Abstimmung mit den Beratungsstellen des Landes): Was könnte Sie dazu bewegen, eine Umstellung von Teilen eurer Produktion ins Auge zu fassen. Welche Kenntnisse und welche Unterstützung benötigen Sie dafür?
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* Grundbesitz im Eigentum von Land und Gemeinden günstig an Produzenten verpachten, die neue Produkte erzeugen wollen. Unterstützung von ‚Neu- Landwirten‘ mit Ideen, aber ohne Land.
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* Öffentlichkeitsarbeit bei Verbrauchern forcieren (Schulbauernhöfe und Aktivitäten von Kindergärten, KonsumentInnen- Initiativen, etc. unterstützen und eine Plattform bieten, um die Bedürfnisse bestimmter Verbrauchergruppen deutlich zu machen.
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* Einzelprojekte fördern, wo der Bedarf nach einer Veränderung / Erweiterung erkennbar ist. Dabei besonders regionale Spezialitäten berücksichtigen, auf die man setzen kann?
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* Von (landes-)politischer Seite eine Informationsoffensive starten, dass ein Strukturwandel in der Landwirtschaft weg von der ausschließlichen Fixierung auf (Milch-)Vieh und hin zu alternativen Produkten wirtschaftlich geboten scheint und politisch gewünscht ist – auch wenn die Milchwirtschaft und Alpbewirtschaftung in Vorarlberg immer eine wichtige Rolle spielen wird.
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(Ergebnisse eines internen Fachgesprächs in der Geschäftsstelle der Regio Im Walgau)
  
 
=== Themen der Regionalentwicklung, die von der Walgaukonferenz und dem Walgauforum (März 2009) als wichtig benannt wurden ===
 
=== Themen der Regionalentwicklung, die von der Walgaukonferenz und dem Walgauforum (März 2009) als wichtig benannt wurden ===

Aktuelle Version vom 17. März 2015, 20:29 Uhr

Meinung, Diskussion, Vision

Diskussionsseite zur Landwirtschaft

Wie bringt man die landwirtschaftlichen Produzenten dazu, neue Produkte auszuprobieren?

In den vergangenen Jahren wurden im Walgau einige Ansätze diskutiert und ausgelotet (siehe Anhang). Damit wurde versucht, ein Produzenten- freundliches Umfeld voranzutreiben (Absatzmärkte schaffen, Logistikstrukturen überdenken…). Doch damit stoßen wir an Grenzen und können allenfalls Kleinprojekte umsetzen, denn es fehlen uns die Produkte.

Es hat sich gezeigt, dass von verschiedener Seite eine Nachfrage nach regionalen Produkten besteht (Großküchen, Hotellerie, Privatkunden bzw. Regional-Laden). Aber solange landwirtschaftliche Produkte außerhalb der Leitschienen ‚Milch / Milchprodukte‘ und ‚Rindfleisch‘ nur in marginalen Mengen produziert werden und sich dank der hohen Nachfrage problemlos zu einem guten Preis vermarkten lassen, sind alle Bemühungen um den Aufbau von Strukturen stark gebremst. Es sind nur Kleinprojekte möglich, und das ist letztlich schade um die Zeit. Da beißt sich sozusagen die Katze in den Schwanz.

Die zentrale Frage lautet: Wie bringt man die landwirtschaftlichen Produzenten im Walgau dazu, neue Produkte auszuprobieren?

Oder anders herum gefragt: Was sind die Gründe für die geringe Bereitschaft der Landwirte, ihren Betrieb bzw. ihre Produktion umzustellen?

  • Der Betrieb wird oft im Nebenerwerb geführt. Das bedeutet oft mehr Arbeitsbelastung, geringerer wirtschaftlicher Druck bzgl. des Betriebsergebnisses und evtl. ein Mangel an Knowhow und fachlich vertiefter Auseinandersetzung, und wenig Kraft, um sich mit Neuerungen auseinanderzusetzen.
  • Die Mentalität der Landwirte ist auf ‚Viehzucht und Melken‘ konzentriert, denn das haben sie im Elternhaus und in der Schule gelernt. Da gibt es wenig Platz für Neues – so wurde das Projekt ‚Garten Vorderland‘ sogar von den offiziellen Bauernvertretern bekämpft („Das ist für ein paar Kleinbauern, die uns nur den Boden wegnehmen“).
  • Vertrauen in den Absatzmarkt: Selbst wenn der Milchpreis freigegeben wird, besteht die Erwartung, dass sich der Milchpreis in Vorarlberg irgendwo zwischen 40 und 45 Ct. einpendelt. Die Kleinsennereien haben genug Absatzmärkte und könnten von daher ihre Produktion jetzt schon ausweiten. Allenfalls die Kleinst-Landwirte werden etwas anderes machen müssen oder sie müssen aufhören.
  • Unkenntnis über Produktionsweisen (incl. Arbeitsaufwand, benötigte Geräte,…), Wertschöpfung aus bestimmten Produkten – Alternativen im Vielbereich wären deutlich einfacher, aber selbst die funktionieren nur schlecht.
  • Es gibt kaum Hebel beim Land, um Veränderungen in der Produktion herbeizuführen. Eine direkte Produkt- bezogene Stützung ist nicht möglich und eine indirekte Förderungsschiene (Beratung, Zusammenarbeit, Maschinen…) braucht zuerst interessierte Landwirte, die danach fragen. Allerdings wurde es auch versäumt, ausreichend offensiv für andere Produkte zu werben und in der Landwirtschaft die Erwartung zu kommunizieren, dass die Erzeugung ‚neuer‘ landwirtschaftlicher Produkte besonders wichtig und vom Land gewünscht wäre. Das ist eine Grundvoraussetzung für einen ‚Kulturwandel‘.

Mögliche Ansatzpunkte:

  • Aufgeschlossene Landwirte (z.B. Betreiber von Hofläden…) direkt aufsuchen und ansprechen („Küchentischgespräche‘ in Abstimmung mit den Beratungsstellen des Landes): Was könnte Sie dazu bewegen, eine Umstellung von Teilen eurer Produktion ins Auge zu fassen. Welche Kenntnisse und welche Unterstützung benötigen Sie dafür?
  • Grundbesitz im Eigentum von Land und Gemeinden günstig an Produzenten verpachten, die neue Produkte erzeugen wollen. Unterstützung von ‚Neu- Landwirten‘ mit Ideen, aber ohne Land.
  • Öffentlichkeitsarbeit bei Verbrauchern forcieren (Schulbauernhöfe und Aktivitäten von Kindergärten, KonsumentInnen- Initiativen, etc. unterstützen und eine Plattform bieten, um die Bedürfnisse bestimmter Verbrauchergruppen deutlich zu machen.
  • Einzelprojekte fördern, wo der Bedarf nach einer Veränderung / Erweiterung erkennbar ist. Dabei besonders regionale Spezialitäten berücksichtigen, auf die man setzen kann?
  • Von (landes-)politischer Seite eine Informationsoffensive starten, dass ein Strukturwandel in der Landwirtschaft weg von der ausschließlichen Fixierung auf (Milch-)Vieh und hin zu alternativen Produkten wirtschaftlich geboten scheint und politisch gewünscht ist – auch wenn die Milchwirtschaft und Alpbewirtschaftung in Vorarlberg immer eine wichtige Rolle spielen wird.

(Ergebnisse eines internen Fachgesprächs in der Geschäftsstelle der Regio Im Walgau)

Themen der Regionalentwicklung, die von der Walgaukonferenz und dem Walgauforum (März 2009) als wichtig benannt wurden

Ein 'Walgau- Warenkorb' mit einem Produkt aus jeder Gemeinde der Region Walgau wurde bei der 2. Walgaukonferenz als konkrete Maßnahme zur Umsetzung beschlossen. Der Projektvorschlag 'gemeinsame Produktvermarktung "Walgau" erhielt beim Walgauforum 5 Punkte. Weitere Stichworte aus den Diskussionen sind: - Berghänge-Problematik bewusst machen, Landschaft im Einklang, Naturnahe Landwirtschaft - gentechnikfreie Region, Koordinationsbedarf der Spitzenbetriebe, regionale Verarbeitungsbetriebe (Milch, Fleisch) und Nahversorgung, regionale Produkte fördern (Obst, Gemüse, Käse…), Stärkung regionaler Wirtschaftsläufe, LEADER- Projekte, Diversifizierung zusammen mit Nahversorgungsthemen, ,.

Meinungen, die im Zuge von Veranstaltungen und Workshops oder in Einzelgesprächen geäußert wurden

„Zum Teil starker Maschineneinsatz in der Landwirtschaft, dafür die Randgebiete wenig gepflegt“ „Hotels sollen landwirtschaftliche Produkte mit abnehmen“

Diskussion

Die Zukunft der Landwirtschaft im Walgau Unter diesem Titel fand am 23. Februar 2010 ein Diskussionsabend in Bürs statt, zu dem fast 100 Landwirte kamen. Ihrer Einschätzung nach ist die Lage der Landwirtschaft sehr angespannt. Die wichtigsten Kritikpunkte lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • Es gibt zu wenig Wertschätzung für die Landwirtschaft und ihre Produkte – Bewusstseinsbildung und Erziehung sind wichtige Arbeitsfelder. Das gilt auch für den Tourismus: Den Prospekt mit der schönen Landschaft im Gastraum, aber das argentinische Steak auf dem Teller, das ist ein Widerspruch.
  • Was ist der Bauer: Produzent oder Landschaftspfleger? Und woher bezieht er in Zukunft sein Einkommen? Steht die effiziente Bewirtschaftung und Nahrungsmittelerzeugung im Vordergrund oder die Bewirtschaftung im öffentlichen Interesse nach Aspekten des Natur und Landschaftsschutzes sowie des katastrophenschutzes?
  • Die landwirtschaftlichen Flächen sind unter Druck und die Landwirtschaft muss oft hinter Gewerbe-, Siedlungs- und Verkehrsflächen zurücktreten. Was bleibt, ist oft steil, zerstückelt, teuer oder im Besitz von Nicht- Landwirten
  • Nebenerwerb und was noch? Es gibt Marktlücken, aber die Arbeit geht zu Lasten der Familien und die Risiken sind hoch. Aufgrund kleiner Haushalte und geändertem Käuferverhalten wird die direkte Vermarktung von Produkten immer aufwendiger.

Es gab aber nicht nur Kritik, sondern auch vielfältige Lösungsansätze. Bauern sind heute schon sehr innovativ, dafür gibt es zahlreiche gute Beispiele. Sie reichten von Schulprojekten und eine Steigerung der Produktvielfalt bis hin zu Modellen der gemeinsamen Verarbeitung und Vermarktung und Kooperationsprojekten mit Gastronomen und Ladenbesitzern. Es wurde klar, dass Zusatzleistungen verstärkt ins Bewusstsein gerufen und besser honoriert werden müssen. Konsequentes Verbraucherverhalten und kostendeckende Ausgleichszahlungen muss man politisch einfordern und auch mal auf seinen Nachbarn zugehen.

Zuletzt brachte ein Teilnehmer seine Meinung auf den Punkt: „Die Stimmung ist nicht nur schlecht – Bauer sein, das hat auch schöne Seiten.“


Landwirtschaft und Tourismus: Die sich wandelnde Rolle der Landwirtschaft steht vielfach in einem Konflikt mit dem eigenen Selbstverständnis der Landwirte. In keinem Bereich wird dies so deutlich wie im Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und Tourismus. Auf der einen Seite bietet der Tourismus neue Absatzwege für landwirtschaftliche Erzeugnisse - allerdings müssen diese entsprechend 'Touristen- gerecht' aufbereitet sein. Aus der Sicht der meisten Touristiker ist es Aufgabe der Landwirte, neue Produkte und Vermarktungswege zu entwickeln, hier fehlt es noch an innovativen Köpfen. Dazu sind jedoch die wenigsten Landwirte qualifiziert und informiert. Auf der anderen Seite ist der Tourismus existentiell auf die Leistungen der Landwirte für den landschaftserhalt und deren Pflege angewiesen. Ohne die Tätigkeit der Landwirtschaft gäbe es nicht die kleinstrukturierte Kulturlandschaft, die insbesondere für den Sommertourismus die wesentliche Erfolgsgrundlage ist (dass Fahrsilos, Mistablagerungen und Silageballen dem Landschaftsbild allerdings auch schaden, braucht hier nicht extra betont zu werden). Der Landwirt sieht sich als Produzent von Nahrungsmitteln (allenfalls noch Energie), jedoch nicht als 'unproduktiver' Landschaftspfleger, auch wenn die Landschaftspflege ein Produkt ist, für das die Tourismusunternehmen in der Region sogar zahlen würden, Aber das Selbstverständnis als Erzeuger von Lebensmitteln lässt dies nicht zu und vermutlich wirkt auch die Diskussion um Landwirte als Subventionsempfänger zusätzlich kontraproduktiv. Für eine bessere Zusammenarbeit zwischen Tourismus und Landwirtschaft ist ein regelrechter Kulturwandel notwendig, der vermutlich nicht innerhalb einer Generation vollzogen sein wird. Heute werden immer noch Fragen diskutiert wie "Wandergebiete auf Kosten der Landwirtschaft?" (beim Walgauforum im März 2009 in Nüziders). Agrargemeinschaften: OLG-Urteil zu Agrargemeinschaften: Gewinne aus Landbesitz, der der Agrargemeinschaft von der Gemeinde überlassen wurde, gehören der Gemeinde und müssen in ihren Haushalt zurückfließen (z.B. bei Verkauf von Bauland, Kiesabbau usw.). Derzeit sind das Rücklagen, die nicht an die Mitglieder ausgezahlt werden können. Hier wird bald der Rechnungshof eingreifen.

Ideen für weitere Maßnahmen

Nach der oben erwähnten Diskussion zur 'Zukunft der Landwirtschaft im Walgau' wurden 5 Themen festgelegt, die im Rahmen der Regionalentwicklung im Walgau weiter bearbeitet werden sollen:

(1) neue Produkte,

(2) neue Vermarktungswege,

(3) Energie (Holz, Biomasse)

(4) Landschaftspflege

(5) Bewusstseinsbildung

Während der Diskussionrunde wurden eine ganze Reihe guter Beispiele aufgezählt:

  • In der Schule den Bezug zu Landwirtschaft und Lebensmitteln herstellen – Projektarbeit; Angebote für Kinder machen und bewerben, damit die etwas über die Landwirtschaft lernen (z.B. Kochunterricht mit heimischen Produkten). Schulbauernhöfe, Führungen auf Bauernhöfen – die Landwirtschaftskammer sucht immer Landwirte, die da mitmachen.
  • Neue Vermarktungswege fördern, z.B. Schulterschluss zwischen Dorfläden / Nahversorgern und landwirtschaftlichen Produzenten – exklusiver Vertrieb regionaler Premium- Produkte zu fairen Preisen.
  • Landwirtschaft mit Tourismus koppeln, Landschaftspflege bezahlen lassen; Möglichkeiten zum Nebenerwerb im Tourismus hilft der Landwirtschaft.
  • Regionale, gemeindeübergreifende Lösungen, um Flächen zu sparen, leerstehende Gebäude erheben und umnutzen. Modellregionen suchen, die zeigen, wie mit der Grundstückszersplitterung umgegangen werden kann.
  • Bewusstseinsbildung: Was kostet die Bewirtschaftung der Hanglagen als Lawinenschutz anstelle von Verbauungen. Und warum kommen Touristen (Gästebefragung: warum machen Sie hier Urlaub?) – welchen Wert hat die Landschaftspflege?
  • Den Wert der Bewirtschaftung der Alpen ins Bewusstsein bringen (touristisch, ökologisch, Erosions- hemmend, Wasseraufnahme des Bodens usw.) – Politik dafür sensibilisieren.
  • Energieholz- Potentiale im Privatwald nutzen – Holz bekommt immer mehr Wert. Förderung für Energieholz- Nutzung nicht nur in Steillagen, sondern auch da, wo die Ernte sonst nicht wirtschaftlich ist. Material aus der Entbuschung für die Energie- Produktion nutzen – dafür eine Fördermittel- Schiene entwickeln.
  • Mehr verschiedene Produkte / neue Produkte (z.B. Obst, Beeren…). Früher gab es Äcker bis hinauf nach Dünserberg. Gemüse etc. benötigt weniger Fläche für den gleichen Ertrag. Die Landwirtschaft steht mit ihren Produkten im globalen Konkurrenzkampf – davon muss sich der Walgau mit seinen Produkten abheben (auch wenn nicht alle Betriebe diesen Weg mitgehen können). Neue Produktschienen könnten den Nebenerwerb ersetzen und damit die Arbeitsbelastung wieder verringern
  • Die Milchwirtschaft ist perfekt durchorganisiert und bringt den meisten Bauern das Einkommen; eine vergleichbare Organisation sollte man auch für andere Produktlinien erreichen. Die Sennereiem Schnifis und Schlins zeigen, dass ein gemeinsames Vorgehen letztlich die Arbeit für jeden erleichtert und den Ertrag verbessert – gemeinschaftliches Denken und Handeln hat uns im Milchbereich stark gemacht und kann auch bei anderen Produkten helfen.
  • Gemeinden fördern Baumpflanzungen in Privatgärten und auch die Pflege von Obstwiesen und die Vermarktung des Obstes, Begleitung durch die OGV
  • Regionalentwicklung als Chance, über neue Themen nachzudenken – auch wenn dann nicht immer was dabei rauskommt.
  • In kleinen Schritten beginnen: Süßmost aus der Region zu den Sitzungen im Walgau anschaffen anstelle von Rauch- Säften. Weniger Wein trinken, mehr Most...
  • Mehr Werbung, mehr auf die Konsumenten zugehen, das direkte Gespräch suchen (auf dem Markt, in der Nachbarschaft…) – Gräben zuschütten, Landwirte sind selbst die besten Werber für die Landwirtschaft („Dann muss ich halt mal auf meinen Nachbarn zugehen und ihm sagen, er soll mir sein Grillfest frühzeitig mitteilen, dann kann ich mit Güllefahren darauf Rücksicht nehmen“)


Neben der Veredelung landwirtschaftlicher Produkte können neue Geschäftsfelder der Landwirtschaft beispielsweise im Service für Kommunen / Bauhöfe liegen (Maschinenringe)

Vorarlberger Wiesenmeisterschaft: Nicht immer von der Landwirtschaft zu fordern, sondern sie auch einmal für das zu loben, was sie schon macht - und zwar oft 'unproduktiv' und unentgeltlich zum Erhalt der Kulturlandschaft. Der Ansatz ist ein Schritt in die richtige Richtung und sollte ausgebaut werden.

Jeder Ort legt einen „Lern-Gemüsegarten“ an, der offen für alle ist (Anregung vom Walgauforum März 2009 in Nüziders)

Modellprojekt Vrin (CH): subventionierte Landwirtschaft belebt bereits ausgestorbene Gemeinde wieder.

Lustenau: Umweltprojekt „Fallobst sinnvoll verwerten“ der Dornbirner Jugendwerkstätten (VN 17.9.09)

Montafon: Kulturlandschaftsinventar Montafon KLIM (aus: Regionalentwicklung Vlbg 11/09)