Steinkreise

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Das Geo-Themenlexikon (2007/II-760) sagt: "Steinkreise sind kreis- oder halbkreisförmige Anlagen aufrecht stehender Steinplatten und -blöcke (Monolithe), z.T. großer Menhire, sie sind charakteristisch für die westeuropäischen Megalithkulturen. Steinkreise umschließen Grabanlagen oder bildeten - meist in Verbindung mit Wall- und Grabenring - selbstständige Kultanlagen, z.T. vom Typus der Hengemonumente." Diese Darstellung ist unvollständig. Weitere Bezeichnungen für Steinkreis sind „Cromlech“, "Steinring", "Steintanz", „Stone circle“, "Ring" sowie "Henge". Der Steinkreisbegriff erfasst mehr: er erfasst stets ein rundes oder leicht ovales Arrangement von aufrecht stehenden Menhiren höchst unterschiedlicher Anzahl und Größe; der Kreisdurchmesser reicht - bei unterschiedlichen Abständen zwischen den einzelnen Steinen in der Kreislinie - von etwa 5 m bis max. 380/420 m (zB. Avebury). Der Kreismittelpunkt kann unbebaut (völlig frei), mit einem Zentrumstein (Axialstein) versehen sein oder ein weiteres Bauwerk - ein Grab oder eine Steinkiste - oder auch nur eine Vertiefung aufweisen. Steinkreise dienten auch - aber keineswegs ausschließlich - als Begräbnisplätze.

Vor- und frühzeitliche Steinkreise sind Megalithbauten wie Großgrabanlagen (Dolmen, Hünengräber, Hofgräber, Cairns) und Steinlinien (Alignéments); alleinstehende Menhire sind zwar megalithisch, aber keine Megalithanlagen. Die runden Tempelbauten auf Malta und Gozo sind zwar Megalithbauten, jedoch keine Steinkreise. Stonehenge ist sozusagen ein "Über-Megalithbau" ohne jeden Vergleich mit allen anderen Steinkreisen - und viel jünger als die "klassischen" Steinkreise in der Bretagne und in Irland. Rund 90 Prozent aller in Europa erfassten Steinkreise liegen im Nordwesten Europas: in England (Britannien), Schottland, Irland sowie deren nördliche Inseln (Hebriden, Shetlands, Orkneys). Die wenigen Steinkreise Frankreichs liegen an der Atlantikküste und im Morbihan, die ebenso wenig zahlreichen der Iberischen Halbinsel sind landeinwärts verstreut. Im Umfeld der Pyrenäen finden sich sehr zahlreiche, jedoch durchwegs kleine Steinkreise als typische Grabstätten mit einer Totenkiste im Zentrum. In Belgien sind gerade einmal 5 Steinkreise zu ermitteln, in Norddeutschland ist der Boitiner Steintanz - neben zahlreichen Hünengräbern - der einzige echte Steinkreis. Andeutungen von Alignéments finden sich in der Westschweiz und im Wallis. Auf dem Kleinen St. Bernhard liegt an der Grenze Italien/Frankreich ein 72-m-Kreis, in Falera/Graubünden wenige - nicht repositionierte - kleinere Steinkreise und ebensolche Alignéments.

Steinkreise umschließen oft Grabanlagen oder bilden in Britannien mit Wall und Grabenring selbstständige Kultanlagen wie den Typ der Hengemonumente. Als Steinkreis wird auch die Einfassung von Grabhügeln, Dolmen und anderen Strukturen bezeichnet; diese Einfassung dient lediglich der äußeren Kennzeichnung der darin befindlichen Anlage, ebenso oft auch einer Stütz- und Sicherungsfunktion für die „Überhügelung“ (zB. beim Hügelgrab) der darunter liegenden Grabkammer; dies sind jedoch keine Steinkreise. Ringwallanlagen benützen das in Kreisform ausgehobene Erdmaterial zur Bildung von unterschiedlich hohen Erdwällen ohne Steinkern - es sind sog. Erdwerke und eben keine Steinkreise. Sie wurden primär als Kultanlage (Kultraum) sowie für astronomische Beobachtungen eingerichtet. Das 7000 Jahre alte Goseck ist so ein Beispiel.

Steinkreise datieren in die Zeit zwischen 5000 und 2000/1500; die Schlussphase der Steinkreise ist die mittlere Bronzezeit von 2200 bis 1500. Die ältesten Kreise sind in Frankreich (Finistére und Morbihan) zu finden, es folgen Irland, die nördliche Inselwelt und Schottland und dann Britanniens Süden. Stonehenge beginnt dort, wo frühere Anlagen (Knowth, Newgrange) bereits wieder geschlossen wurden. Die Anlagen um die Pyrenäen datieren zumeist 1500 bis 1000; Falera in Graubünden schließt die Megalithzeit in Mitteleuropa mit der Aufgabe von Wohnplätzen um 1500/1300. Die Tschengla erscheint - in Kenntnis vergleichbarer Siedlungsentwicklung mit Südvorarlberg - im gleichen Zeitraum im Bild. Innerhalb von Europa neu entstandene kleine Steinkreise mit 5 bis 12 m Durchmesser sind keine neolithischen Megalithanlagen, sondern dienen einzelnen Personen und/oder Gruppen als Ort der Meditation.

Das Plateau auf der Tschengla oberhalb von Bürserberg ist eine eiszeitliche Hangterrasse am Ausgang des Brandnertales in den Walgau auf 1200 m Seehöhe. Hier hat Pirchl (Pirchl 8) im Jahr 2002 Kraftlinien und die von ihm benannten Adernsterne entdeckt sowie auf Grund der in großer Zahl hier vorliegenden Geschiebeblöcke (Findlinge) megalithische Anlagen in Form von Steinkreisen und Alignéments vermutet. Nach Pirchl können Steinkreise „auf Steinadern gebaut“ sein: (Pirchl 39) durch den Kreismittelpunkt laufen eine oder mehrere Kraftlinien, die durch Radiästhesie nachgewiesen werden können. Indianervölker nennen den Steinkreis auch Medizinrad, welcher mit vier Hauptsteinen - nach den Himmelsrichtungen ausgelegt - und von vier bis acht kleineren Steinen geschlossen wird. (Pier Hänni 89) Pirchl hat in der Folge solche Steinkreise und Alignéments (Steinlinien) teilweise freigelegt; darüber hinaus wurden Steine wieder aufgerichtet bzw. repositioniert, d.h. an ihrer zuvor vermessenen Stelle senkrecht gestellt. Bedauerlicherweise wurden die Arbeiten der Freilegung wie der Reposition in archäologisch-wissenschaftlichem Sinne nicht sehr sorgfältig vorgenommen und höchst unzureichend dokumentiert. Das führte zu heftigen wie emotionalen Diskussionen in den Jahren 2005/2006 um das Steinkreisthema an sich und über Kraftlinien und Rätiasteine. Seither ist es darüber still geworden.

Ein Vergleich der Anlagen in Falera/Graubünden mit den Anlagen auf der Tschengla weist erhebliche Größenunterschiede auf. Falera zeigt mehrere kurze und ein längeres Alignément aus 27 Menhiren, welches 1986/88 und 2000/01 sehr sorgfältig repositioniert und dokumentiert wurde. Insgesamt 5 sehr unvollständige Steinkreise zwischen 64 m und 15 m Durchmesser wurden nicht repositioniert oder ergänzt; sie liegen noch immer halb versunken im Wiesenboden. In allen Steinkreisen sind mehrere Steine in die Visierlinien integriert, d.h. Alignément und Steinkreis greifen ineinander - ähnlich wie in den großen Anlagen um Carnac/Morbihan. Die Tschengla nennt 2007 insgesamt 6 repositionierte Steinkreise mit Durchmessern zwischen 70 m und 15 m und auffällig großen Zentrumsteinen. Das Alignément mit 11 Menhiren zeigt auf 135 m Länge mit Azimut 105 ° zur - und das ist doch auffällig - Terrassensiedlung Friagawald/Bartholomäberg. Eine weitere Steinlinie weist als Zielpunkt die Mondspitze aus. Sowohl die Anlagen in Falera als auch die Anlagen auf der Tschengla stehen in keiner Verbindung zu Grabstätten. Sie sind eindeutig auf astronomische Voraussetzungen ausgerichtet. Für die Auslegung als Kultplatz fehlen archäologische Nachweise, für die Kraftlinien und die Kraftorte wissenschaftliche Grundlagen.