Margarethen-Kapelle (Blasenberg)

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Das Margarethenkapf am Blasenberg gehörte bis 1897/98 gemeindepolitisch und pfarrlich zu Tisis; erst mit der Eingemeindung der Parzelle Heilig-Kreuz kam es zu Feldkirch. Es zeigt(e) einige Merkwürdigkeiten und Höhepunkte: ganz oben als Aussichtspunkt ist das beliebte Feldkircher "Rädle", darunter gegen Nordost die stattliche Sommervilla des ehemaligen Feldkircher Bürgermeisters Josef Andreas Ritter v. Tschavoll, gegen Nordwest der Wohnturm des sog. Tschitscherschlößchens und ausgesetzt auf dem steilen Felssturz des Kapfs die Margarethenkapelle.

Die "Tschavollvilla" wurde 1867, das "Tschitscherschlößchen" um 1620 errichtet; die Margarethenkapelle wird urkundlich bereits 1483 erwähnt und 1500 bereits als "Kapelle uffn Kapfen" genannt. 1502 heißt es von einer "newgebawen Capell Sant Margarethe uf dem Kapff", doch erst 1522 erfolgt die kirchliche Weihe der Margarethenkapelle. [1] 1610 geht der ganze "Kapfbesitz" samt Kapelle auf das Reichsstift Weingarten über, 1696 an das Reichsstift Ottobeuren und im Zuge der Säkularisation 1802/1803 in staatlichen Besitz - das österreichische Ärar. Das "bayrische Zwischenspiel" unterbricht zwar für 12 Jahre diese Besitzverhältnisse, doch bleibt diesem das staatliche Eigentum erhalten.

Um die Mitte des 19. Jhdt. erwirbt die Industriellenfamilie Getzner/Ganahl das gesamte Areal (ohne Tschitscherschlößchen); Andreas Tschavoll - der Neffe von Christian Getzner - übernimmt 1859 den Besitz und erwirbt 1875 die Margarethenkapelle, die er 1862 - 1869 (noch bevor er sie erworben hatte) "mustergültig und geschmackvoll ausstatten ließ". Nach seinem Tod blieb der gesamte Realitätenkomplex bis 1949/50 in Tschavoll'schem Besitz. Die Tschavollvilla ging in den Privatbesitz einer Feldkircher Familie über und wurde mustergültig renoviert; auch Tschitscherschlößchen und Margarethenkapelle gelangten in (anderen) Privatbesitz. Das Tschitscherschlößchen wurde in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts durch einen nicht fertig gestellten neuen Zubau verunstaltet und verfällt nun zusehends. [2] Dazu meint 1992 auch Rainer Lins aus Tisis: "Der heutige Zustand der Kapelle ist skandalös. Es bleibt zu hoffen, dass eine baldige Restaurierung die dem Sakralbau zukommende Würde wiederherstellt !" [3]

DEHIO beschreibt die Margarethenkapelle als Rechteckbau mit Chor unter Satteldach, Glockendachreiter, Giebelfassade mit Spitzbogenfenster und unter dem Westteil ein hoher tonnengewölbter Durchfahrtsbogen. (Dieser Durchfahrtsbogen ist das wohl einmalige Charakteristikum dieser Kapelle) An der Südseite des Torbogens befindet sich eine Rundbogennische mit gotischen Fresken, in der linken Laibung ein Christophorus (Anfang 16. Jhdt.). An der Nordseite des Torbogens ein Spitzbogenfenster mit Nische und barocker Steinfigur hl. Johannes Nepomuk. Der Betraum hat Kreuzgratgewölbe, der Chor Stichkappengewölbe; die Nordwand zeigt ein Rundbogenportal. DEHIO nennt eine Glocke von 1522, [4] Getzner meldet "früher zwei Glöcklein, davon eines aus dem Jahre 1502". Die von Getzner beschriebene Einrichtung ist jedoch nicht mehr "vor Ort"; die Kirche ist leer. DEHIO nennt das ganz einfach so: "Einrichtung deponiert".

Die Margarethenkapelle ist im Bestandsverzeichnis des Bundesdenkmalamtes nicht enthalten. [5]

Die Margarethenkapelle ist auch Gegenstand berühmter kriegsgeschichtlicher Einnerungen, als im 2. Koalitionskrieg zwischen Frankreich und Österreich am 23. März 1799 unter General Massena der stundenlange Kampf um den Besitz von Kapf und Letze tobte. So wurde denn im Kaufvertrag vom 5.8.1875 festgehalten, dass der Käufer "für sich und seine Rechtsnachfolger die Verbindlichkeit übernimmt, die Kapelle stets dem katholischen Kultus zu erhalten ... und außerdem dafür Sorge zu tragen, dass der früher als Klause gebaute Turm mit den Kugelspuren aus der hier gewonnenen Schlacht gegen Massena als historisches Denkmal erhalten bleibe." [6]
  1. Andreas Ulmer / Manfred A. Getzner: Die Geschichte der Dompfarre St. Nikolaus Feldkirch, Feldkirch 1999, Seite 564/565
  2. Andreas Ulmer / Manfred A. Getzner: Die Geschichte der Dompfarre St. Nikolaus Feldkirch, Feldkirch 1999, Seite 561 in FN 1814.
  3. Rainer Lins in: Tisis - Dorf- und Kirchengeschichte, Rheticus 1992, Seite 81
  4. DEHIO VORARLBERG, Wien 1983, Seite 193
  5. Verordnung des Bundesdenkmalamtes gemäß § 2a des Denkmalschutzgesetzes betreffend den Verwaltungsbezirk Feldkirch, GZ. 47.373/19/2007 vom 15. November 2007.
  6. Andreas Ulmer / Manfred A. Getzner: Die Geschichte der Dompfarre St. Nikolaus Feldkirch, Feldkirch 1999, Seite 569 in FN 1839.